Mittelalter · Historisches
Kaiser Friedrich I. Barbarossa
Der alte Barbarossa,
Der Kaiser Friederich,
Im unterird’schen Schlosse
Hält er verzaubert sich.Er ist niemals gestorben,
Er lebt darin noch jetzt;
Er hat, im Schloß verborgen,
Zum Schlaf sich hingesetzt.Er hat hinabgenommen
Des Reiches Herrlichkeit
Und wird einst wiederkommen
Mit ihr zu seiner Zeit.Der Stuhl ist elfenbeinern,
Darauf der Kaiser sitzt;
Der Tisch ist marmelsteinern,
Worauf sein Haupt er stützt.Sein Bart ist nicht von Flachse,
Er ist von Feuersglut,
Ist durch den Tisch gewachsen,
Worauf sein Kinn ausruht.Er nickt als wie im Traume,
Sein Aug’ halb offen zwinkt,
Und je nach langem Raume
Er einem Knaben winkt.Er spricht im Schlaf zum Knaben:
„Geh hin vors Schloß, o Zwerg,
Und sieh, ob noch die Raben
Herfliegen um den Berg!Und wenn die alten Raben
Noch fliegen immerdar,
So muß ich auch noch schlafen
Verzaubert hundert Jahr.“
Friedrich I., bekannt als Friedrich „Rotbart“ Barbarossa, ist eine überaus bedeutende historische Persönlichkeit, über die man erstaunlich wenig weiß. Und wie so oft ranken sich gerade deshalb viele Legenden um den großen Herrscher — Legenden, die Spannung aufbauen und Neugierde wecken. Nicht immer sind Geschichte und Geschichten so interessant wie hier.
Wie Zeitgenossen ihn sahen
Bevor es um die unstrittigen Erfolge des Kaisers geht, lohnt ein Bild von ihm — durchaus wörtlich gemeint. So beschreiben der Lodeser Geschichtsschreiber Acerbus Morena und Rahewin, der Sekretär des Bischofs Otto von Freising, sein Äußeres:
„Der Kaiser entstammte einem sehr vornehmen Geschlecht; er war mittelgroß, von schöner Gestalt und besaß wohlgestaltete Glieder; sein helles Angesicht war von rötlicher Farbe, sein Haar fast blond und gekräuselt; sein Antlitz war heiter, und immer schien er lächeln zu wollen; seine Zähne waren weiß, seine Hände sehr schön, sein Mund anmutig.“
„Seine leibliche Gestalt ist wohl gebaut, von Statur ist er kleiner als die Größten und größer als die Mittelgroßen, sein Haar ist blond und oben an der Stirn etwas gekräuselt … Seine Augen sind scharf und durchdringend, die Nase ist schön, der Bart rötlich, die Lippen sind schmal und heiter. … Sein Gang ist fest und gleichmäßig, seine Stimme hell und die ganze Körperhaltung männlich. Durch diese Leibesgestalt gewinnt er sowohl im Stehen wie im Sitzen höchste Würde und Autorität.“
Von besonderem Interesse ist das Naturell des legendären Barbarossa. Auch hier künden die Gelehrten — wenngleich sie sich mitunter an antiken und karolingerzeitlichen Vorlagen orientiert haben mögen:
„Er war … äußerst kriegerisch, zögernd im Zorn, kühn und unerschrocken, geschwind und beredt; freigiebig, aber nicht verschwenderisch, behutsam und vorausschauend im Rat, von schneller Auffassungsgabe und sehr weise; gegenüber Freunden und Guten liebenswürdig und gütig, schrecklich gegenüber Bösen und unerbittlich; er verehrte die Gerechtigkeit und liebte die Gesetze … und seit weit zurückliegenden Zeiten war ihm kein Kaiser zu vergleichen.“
Rahewin überliefert sogar den Tagesablauf des Staufers: früh das gemeinsame Gebet, der Vormittag den Regierungsgeschäften gewidmet; auf der Jagd stand er niemandem nach, „Rosse, Hunde, Falken und ähnliche Vögel abzurichten“; beim Gastmahl „königliche Fülle, doch so, dass sich weder die Mäßigkeit über Völlerei noch der Hunger über Knausrigkeit beklagen kann“. Almosen verteilte er meist eigenhändig, ein Zehntel seiner Einnahmen spendete er Kirchen und Klöstern. „In seiner Muttersprache ist er sehr redegewandt, Lateinisch aber kann er besser verstehen als sprechen.“
Solcher staufischer Hofhistoriographie steht gegenüber, dass Friedrich im Laufe seiner Regierungszeit durchaus Entscheidungen mit strengen, teils grausamen Zielen traf. Das überaus harte Vorgehen gegen die aufständischen Reichsuntertanen in den italienischen Städtekämpfen kennzeichnet Barbarossa klar als Mann seiner Zeit — und als Herrscher, der gezwungen war, mit der gleichen Rigorosität wie seine Widersacher aufzutreten.
Vom Herzogssohn zum Kaiser
Friedrich I. (um 1122–1190) war Römischer König und Kaiser (1152 bzw. 1155–1190) und als Friedrich III. Herzog von Schwaben (1147–1152). Geboren wurde er wahrscheinlich in Waiblingen als Sohn des staufischen Herzogs Friedrich II. von Schwaben und der Welfin Judith. Sein Onkel, König Konrad III., gab ihm den Vorzug vor dem eigenen, noch minderjährigen Sohn und designierte ihn zum Nachfolger. Nach Konrads Tod 1152 wählten die Fürsten Friedrich einstimmig zum König.
Friedrich sah das König- und Kaisertum als unmittelbare Gabe Gottes an — und als Verpflichtung, Macht und Ansehen des Reiches wiederherzustellen. Als Spross mit staufisch-welfischer Herkunft erfüllte er die Hoffnung auf ein Ende des Konflikts zwischen Staufern und Welfen: Noch im Jahr seiner Wahl verkündete er auf dem Würzburger Reichstag einen Landfrieden. 1154 verlieh er dem Welfen Heinrich dem Löwen zusätzlich zum Herzogtum Sachsen auch Bayern; die daraus entstandene Auseinandersetzung mit den Babenbergern löste er 1156 durch das Privilegium minus, das die Markgrafschaft Österreich zum Herzogtum erhob.
Zweites großes Ziel war die Durchsetzung des Kaisertums in Reichsitalien. 1155 krönte ihn Papst Hadrian IV. zum Kaiser — doch wenig später kam es zum Bruch: Auf dem Reichstag zu Besançon 1157 weigerte sich Friedrich, das Reich als päpstliches Lehen anzuerkennen, und verteidigte die Gleichrangigkeit von Kaiser und Papst. Als Manifestation dieser Gleichrangigkeit tauchte erstmals der Begriff Sacrum Imperium, „Heiliges Reich“, auf.
Mit den Ronkalischen Beschlüssen von 1158 wollte Friedrich die Reichshoheit über die lombardischen Städte wiederherstellen. Städte wie Mailand, Piacenza, Brescia und Cremona setzten sich gegen die Beschneidung ihrer Autonomie zur Wehr, unterstützt vom Papsttum. Friedrich eroberte Mailand, ließ die Stadt 1162 nach einem Aufstand zerstören und eroberte 1166/67 ganz Norditalien und Rom — bis eine Malariaseuche in seinem Heer ihn unter großen Verlusten zum überstürzten Rückzug zwang. 1167 schlossen sich die oberitalienischen Städte zum Lombardenbund zusammen. Friedrichs Italienzug von 1174–1176 endete mit der Niederlage bei Legnano — militärhistorisch bedeutsam, weil zum ersten Mal in einer großen Schlacht Fußtruppen über ein Ritterheer triumphierten. 1177 schloss Friedrich mit Papst Alexander III. in Venedig Frieden, 1183 im Frieden von Konstanz auch mit dem Lombardenbund.
Im Norden dagegen konsolidierte Friedrich seine Macht: Er brachte Polen unter die Lehenshoheit des Reiches, erhob Böhmen zum Königreich, baute die staufische Hausmacht zielstrebig aus und festigte die Königsmacht unter anderem durch Städtegründungen. 1178 ließ er sich zum König von Burgund krönen. Heinrich den Löwen, der ihm zu mächtig geworden war und ihm 1176 die Unterstützung in Italien verweigert hatte, enthob er 1178–1181 in zwei lehnsrechtlichen Prozessen all seiner Lehen.
1184 ließ Friedrich seinen Sohn als Heinrich VI. zum König wählen und verheiratete ihn mit Konstanze, der Erbin von Sizilien. 1189 brach Friedrich mit einem gewaltigen Heer zum Dritten Kreuzzug auf. Nach zwei großen Siegen bei Philomelion und Ikonion ertrank er am 10. Juni 1190 beim Baden im Fluss Saleph im heutigen Kleinasien. Neben Karl dem Großen war Friedrich I. der volkstümlichste Kaiser des deutschen Mittelalters — schon seine Zeitgenossen sahen in ihm den Erneuerer des Reiches und die Verkörperung der ritterlichen Ideale.
Der Gegenspieler: Heinrich der Löwe
Heinrich der Löwe (um 1129–1195), Herzog von Sachsen und Bayern, war Vetter und lange Verbündeter des Kaisers, ehe er zu seinem großen Gegenspieler wurde. Er gründete 1158 Lübeck und förderte durch Verträge mit Schweden, Gotland und Nowgorod den deutschen Ostseehandel entscheidend; in Bayern gründete er im selben Jahr den Markt München. Mit seiner expansiven Territorialpolitik schuf er sich zahlreiche Feinde unter den Reichsfürsten. Auf dem Höhepunkt seiner Macht verweigerte er dem Kaiser 1176 die Heerfolge nach Italien — und trug damit zur Niederlage von Legnano bei. 1179 verhängte Friedrich die Reichsacht über den Herzog, 1180 entzog er ihm beide Herzogtümer: Bayern ging an Otto von Wittelsbach, das östliche Sachsen an die Askanier, Westfalen an den Erzbischof von Köln. 1181 gab sich Heinrich geschlagen und ging nach England in die Verbannung. Er starb am 6. August 1195 in Braunschweig.
Das Geschlecht der Staufer
Hohenstaufen ist der Name des Adelsgeschlechts, das von 1138 bis 1254 den deutschen Königsthron innehatte. Der Name leitet sich vom 682 m hohen Berg Hohenstaufen bei Göppingen ab, auf dem Friedrich von Büren, der erste beglaubigte Ahnherr, die spätere Stammburg des Kaiserhauses erbaute. Die Linie in Kürze:
- Friedrich von Büren, Erbauer der Stammburg auf dem Hohenstaufen
- Friedrich I., Herzog von Schwaben
- Friedrich II., Herzog von Schwaben („der Einäugige“) — sein Bruder Konrad III. wurde 1138 zum König gekrönt
- Friedrich III., der als Friedrich I. Barbarossa (um 1122–1190) in die Geschichte einging: 1152 König, 1155 Kaiser — zweiter König und erster Kaiser aus dem Hause der Staufer
- Heinrich VI. (1165–1197), 1191 Kaiser
- Friedrich II. (1194–1250), 1220 Kaiser — mit seinem Tod brach das staufische Reich zusammen
Die Kyffhäusersage
Der alte Kaiser sei durch einen geheimnisvollen Zauber in ein unterirdisches Schloss des Kyffhäuserberges versetzt worden. Dort sitzt er schlafend auf einem Stuhl von Elfenbein an einem großen Tisch aus Marmorstein, den Kopf in die Hände gestützt. Sein roter Bart leuchtet wie Feuersglut und ist durch den Tisch hindurch gewachsen. Alle hundert Jahre erwacht der Kaiser, winkt dem treuen Zwerg und lässt nachschauen, ob die Raben noch um den Berg fliegen. Ist dies der Fall, schläft er seufzend weitere hundert Jahre. Erst wenn der Bart ganz um den Marmortisch gewachsen ist, wird ein Adler die Raben vertreiben — dann steigt der Kaiser empor, um Frieden und Einheit zu stiften.
Historisch entstand die Sage vom wiederkehrenden Kaiser im 13. Jahrhundert — zunächst um Friedrich II., dessen Tod 1250 das Volk nicht glauben wollte. Die Chronik des Eisenacher Stadtschreibers Johann Rothe von 1421 bezeugt, wie sich die Sage mit dem Kyffhäuser zu verknüpfen begann: gerade dort, wo einst ein Zentrum der königlichen Macht lag. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde sie im Volksbuch von Friedrich Barbarossa auf Friedrich I. übertragen — seitdem spricht man von der „Barbarossasage“. Viele Dichter schmückten sie aus; das bekannteste Gedicht schrieb Friedrich Rückert 1817.
Bemerkenswert für unsere Gegend: Die alte Überlieferung nennt als Ort der Entrückung nicht nur den Kyffhäuser und den Untersberg bei Salzburg, sondern auch „einen Felsen bei Kaiserslautern, darin der Kaiser verzaubert sitzen soll“.
Kyffhäuser, Reichsburg und Pfalz Tilleda
Auf dem Kyffhäuserburgberg stand einst die Reichsburg Kyffhausen, eine der größten und stärksten deutschen Burganlagen des Mittelalters. In der Regierungszeit Barbarossas wurde die 1118 zerstörte Burg vollständig wieder aufgebaut und zur gewaltigen, dreigeteilten Anlage von 608 m Länge erweitert. Zu den baugeschichtlichen Kostbarkeiten zählen das romanische Erfurter Tor und der 176 m tiefe Burgbrunnen — der tiefste Brunnen, der je im Mittelalter in den Fels getrieben wurde. Auf dem höchsten Punkt steht die Ruine des Bergfrieds, des sogenannten Barbarossaturmes. Am Fuße des Gebirges lag die Pfalz Tilleda, urkundlich erstmals 972 erwähnt; Barbarossas Aufenthalt dort ist für 1174 nachgewiesen. Pfalzen wie diese waren vom 10. bis zum 12. Jahrhundert die politische und wirtschaftliche Grundlage der zentralen Königsmacht: Der Hof zog von Pfalz zu Pfalz, und die wechselnde Anwesenheit des Königs in allen Landesteilen sicherte die Zentralgewalt des Reiches.
Barbarossa und Kaiserslautern
Um 622 wird unter König Dagobert I. die Gründung des Königshofes Lutra vermutet — doch es war der Staufer Friedrich I., der die Entwicklung Kaiserslauterns zur Stadt entscheidend förderte. Um 1152 ließ er die Kaiserpfalz Lautern errichten, und bis heute nennt sich Kaiserslautern stolz „Barbarossastadt“. Kein Zufall also, dass der gemeinnützige Verein DIE LEGENDE e.V., von dem diese Seite stammt, gerade hier seine Mittelaltermärkte ausrichtete — mehr dazu in der Geschichte dieser Seite. Wer das Mittelalter heute erleben will, findet aktuelle Mittelaltermärkte und historische Feste in ganz Deutschland — auch rund um die Pfalz. Eine Übersicht der Epoche bietet die Zeittafel des Mittelalters.